![]() neues Wappen ab 1951 |
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altes Wappen von 1813 - 1950 |
1811 berichtete das Landgericht Obergünzburg, dass der gleichnamige Markt kein Wappen besitze, und beantrage als solches den Anfangsbuchstaben O des Ortsnamens. Aus grundsätzlichen Erwägungen, die auch heute noch gegen die Aufnahme von Buchstaben und Worten in Gemeindewappen sprechen, lehnte das StMdI. den Vorschlag ab. Ermittlungen des Königlichen Reichsheroldsamtes und des Reichsarchivs förderten 1813 Siegel aus dem 16. Jahrhundert zutage, die als Wappen des ehem. Gerichts und Marktes einen gespaltenen Schild zeigen, der vorne eine Teilungslinie, hinten einen Kopf über drei waagrechten Flüssen aufweist. Man konnte aber mit dem Fund nichts anfangen: Die geteilte Schildhälfte bezog man auf den Fürstabt Sebastian von Breitenstein von Kempten und nahm daher dafür die Farben Schwarz und Weiß an; den Menschenkopf deutete man wegen der langen Haare als den einer Frau "oder besser eines Mohren". Nur die Erklärung der Flüsse als "Ursprung des Günzflusses" traf zu. Aus Verlegenheit ließ man also im endgültigen Entwurf zum neuen Marktwappen einfach die vordere Schildhälfte weg und entschied sich für ein Mohrenhaupt. Als Farben wurden willkürlich Rot und Silber gewählt. So erhielt der Ort durch Entschl. des StMdI. vom 16.10.1813 ein sinnloses und unhistorisches Wappen. Erst nachträglich suchte man den Mohren durch eine geradezu lächerliche Beziehung auf die Grafen von Marstetten zu erklären, deren Familiennamen man auf "Mohrenstetten" zurückführte.
Noch 1835 nahm man anlässlich einer Versammlung aller Gemeindevorsteher keinen Anstoß an dem falschen Wappen und seiner irrigen Sinndeutung. Erst 1950 brachte der Vergleich des wiederentdeckten Wappenblattes der kemptischen Niedergerichte von 1561 mit guten Abdrücken des Siegels von Obergünzburg seit 1541 die volle Aufklärung des alten Wappenbildes. Die Farben der vorderen Schildhälfte sind gemäß den Stiftsfarben von Kempten Rot und Blau, der Mohr aber ist in Wirklichkeit das Brustbild der Königin Hildegard als Wahrzeichen der Abtei Kempten. Diese Symbole kennzeichnen ebenso treffend die einstige Grund- und Landeszugehörigkeit wie die Bäche die örtliche Lage nahe dem Ursprung der Günz und zugleich den Ortsnamen. Durch Entschl. Nr. I B 1 - 3008/3 vom 16.01.1951 gab das StMdI. der Marktgemeinde das schöne alte Wappen wieder.